Immer Wasser unter dem Kiel

Die MSC Musica, 300 m lang

Die MSC Musica, 300 m lang

Auf nach Göteborg mit der Riesenfähre

Auf nach Göteborg mit der Riesenfähre

Sonntag und damit der traditionelle Ausflugstag während der Kur in Damp. Heute geht es in die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, die Hafenmetropole Kiel. Knapp 60 km ist der Weg lang, der vom Ostseestrand in die Großstadt führt. Wie immer eine landschaftlich romantische und reizvolle Strecke. Viel Grün, wenig Bevölkerung. Die Straße führt auf halbem Weg auch durch das Städtchen Eckernförde. Plötzlich taucht auf der linken Straßenseite die Wasserfläche der Ostsee auf. Und ein proppevoller Badestrand. Hier zeigt sich wieder, wie widerstandsfähig die Einheimischen sind. Denn tatsächlich wagen sich einige in das 15 Grad kalte Meerwasser. Wie auch immer, die anreisenden Badegäste verursachen etwas zähflüssigen Verkehr. Aber nach knapp einer Stunde erreicht Patient F. das Ziel seiner Träume. Dank Navigationssystem, das zum Hafen führt.
Nein, Kiel ist wirklich keine allzu schöne Stadt. Zumindest nicht in der Umgebung des Hafens. Ein modernes Gebäude neben dem anderen. Man bemerkt die Anstrengungen der Architekten, aber gleichzeitig wirkt das Ensemble zwischen Bahnhof und Einkaufszentrum recht unharmonisch. Andere Straßenzüge bestehen aus recht ordentlich erhaltenen Altbauten. Hier hat der zweite Weltkrieg weit deutlichere Spuren hinterlassen als in der Beate-Uhse-Stadt Flensburg.
Laut Wegweisern ist der Hafen bald erreicht. Und Patient F. verschlägt es die Sprache. Denn plötzlich steht er vor einem monströsen Schiff. Die MSC Musica wartet darauf, ablegen zu können. Eine Kreuzfahrtmonstrosität von knapp 300 m Länge, hoch wie ein Wolkenkratzer. Knapp 1000 Personen Besatzung, 3000 Passagiere, die sich amüsieren wollen. Sicherlich eine höchst effektive Art des Seeurlaubs, aber dennoch hat das nichts mehr mit den eleganten Schiffen früherer Epochen zu tun.
Nicht ganz so groß, aber kaum weniger eindrucksvoll die beiden Nordeuropa-Fähren. Gerade im Auslaufen ist die Color Fantasy, mit knapp 220 m Länge bereit für die Reise nach Schweden. Gegenüber die Stena Germanica, ebenfalls eine Fähre, die auf der Strecke Kiel-Göteborg verkehrt. 240 m lang, 45.000 Bruttoregistertonnen und damit ungefähr in den Abmessungen der Titanic. 1300 Passagiere und 300 Autos können befördert werden. Eindrucksvoll.
Natürlich muss Patient F. seine obligatorische Schiffsreise unternehmen. Dieses Mal ist es eine zwei Stunden lange Hafenrundfahrt. Was diese Reise vom regulären Fährbetrieb unterscheidet, der auf der gleichen Route fährt, wird wohl ewig ein Geheimnis bleiben. Wie auch immer, die Fahrt ging auf der 23 m langen MS „Schilksee” vonstatten. Ein nicht unbedingt komfortables Fährschiff, doch die Route war recht spannend. Vorbei ging es an diversen Marineeinrichtungen, geheimen Forschungslaboratorien, Badestränden und Segelhäfen bis nach Laboe (Labö gesprochen), dem Seebad bei Kiel, das wegen des 68 m hohen Marinedenkmals, was rund 82 m über Meeresspiegel ergibt, berühmt geworden ist. Nach dem ersten Weltkrieg gebaut, Mitte der 30er-Jahre renoviert und unter Anwesenheit des GröFaZ Adolf eingeweiht. Doch Patient F. steigt nicht im hektischen Badeort aus, sondern tritt mit dem kleinen Schiff die Rückreise an, um weitere Sehenswürdigkeiten in Augenschein nehmen zu können.
Tatsächlich begegnet man dem MSC Musica, die auf lustige Kreuzfahrt geht, diversen Frachtschiffen und unzähligen Motorbooten und Segeljachten. Vorbei geht es am Kieler Landtag bis zum Höhepunkt der Reise, dem Segelschulschiff Gorch Fock. Seit Mittelpunkt ebenso rätselhafter wie schlüpfriger Skandale hat man das stolze Boot in den Tirpizhafen geschleppt, wo es unter ständiger Aufsicht martialischer Kriegsschiffe steht. Leider sind keine reizvollen Matrosen an Bord zu sehen. Also geht es zurück zur Anlegestelle Bahnhofsbrücke, wo Patient F. gesund und ohne Seekrankheit festes Land betritt.
Ein interessanter Nachmittag, der auch die Erkenntnis brachte, dass Menschen ständig plappern müssen. Manch Elternpaar dürfte sich gerne an die Zeit erinnern, als der Nachwuchs noch nicht die Eigenschaft des Sprechen-könnens beherrschte. Wehe, dieser Punkt ist jedoch überschritten. Ohne Luftholen geht es 24 Stunden lang mit schriller Wortbeschallung los. Man sollte hoffen, dass sich die Lage im Laufe der Zeit beruhigt und die lieben Kinderlein stiller werden. Leider bleibt die Plappereigenschaft bei vielen Menschen auch bis ins fortgeschrittene Alter unvermindert vorhanden. Patient F. kann das nur bestätigen.

Die Gorch Fock, Ort schlüpfriger Skandale

Die Gorch Fock, Ort schlüpfriger Skandale

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Ein Gedanke zu “Immer Wasser unter dem Kiel

  1. reis und rote bohnen klingen lecker, eigentlich, aber man kann wohl auch solcherlei pervertieren. vielleicht wollen die dort den leuten die freude am essen vergällen – als therapieform?
    man darf gespannt sein auf die fortsetzung! 🙂

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