Fischgeschichten

Manchmal passieren ungeplante Dinge. Wie heute Abend zum Beispiel. Während Patient F. noch darüber sinnierte, welche Wurst und welchen Käse es beim Abendbüffet geben wird und ob es dieses Mal statt geschmacksneutraler Eiersalat ebensolcher auf Heringsbasis serviert würde, fiel er aus unerfindlichen Gründen ins Wachkoma. Erst zwei Stunden später erlangte er gut ausgeruht das Bewusstsein. Viel zu spät fürs Abendessen. Denn, wie Patient F. bereits berichtete, herrschen militärisch strenge Zeitpläne für die Nahrungsaufnahme.

Was also tun? Auf jeden Fall zunächst einmal einen Abendspaziergang unternehmen. Der führte tranceartig zum Ostseerestaurant, wo Patient F. an einem der Außentische Platz nahm und den Anblick von Meer und Yachthafen genoss. Auf der Speisekarte bot sich eine verführerische Auswahl. Eigentlich hätte Patient F. nach fünf Wochen große Lust auf Schnitzel mit Pommes Frites gehabt. Allerdings siegte die Vernunft und die Neugierde. Daher wurde bei der freundlichen Kellnerin der „Damper Fischteller“ bestellt. Eine Auswahl aus Ostseemeeresgetier und einer kleinen, aber feinen Gemüsebeilage – abgestimmt auf die Eiweißration auf dem Teller. Um es gleich vorweg zu sagen, es war die richtige Wahl und Patient F. genoss dieses überraschende Abendessen nebst einem abschließenden Espresso.

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Damper Fischteller mit Meeresgetier aus der Ostsee – bevor er von Patient F.
verspeist wurde.

Warum auch die Einheimischen die allsommerliche Touristeninvasion politisch höchst inkorrekt als „Russenurlauber“ bezeichnen, wie Patient F. heute während der Physiotherapie erfuhr, war während der köstlichen Mahlzeit unverkennbar. Zwar liegt das Ostseerestaurant direkt am Hafen, muss aber leider zwischen den Tischen im Außenbereich einen Durchgang für Fußgänger bieten. Von dem damit verbundenen ebenso lauten wie hektischen Treiben hätte sich Patient F. nicht einmal allzu sehr stören lassen. Der Nachwuchs einer im Innenraum speisenden Familie, bestehend aus fünf Mädchen und Jungen im Alter zwischen sechs  und zwölf Jahren, erlitt regelmäßig Anfälle des weit verbreiteten ADS-Syndroms. Daher stürmten sie aus dem Lokal in Richtung Wasser, wobei sie jedes Mal den Weg vor dem Tisch des stilvoll speisenden Patient F. nahmen. Um dies zu verhindern, rückte besagter Gast die ihm gegenüberliegenden Stühle so weit zurück, dass absolut kein Durchgang mehr möglich war. Was die Teufelsbrut keinesfalls daran hinderte, die Sitzgelegenheiten lautstark zur Seite zu schieben und weiterhin die Lücke vor Patient F. für ihre unkontrollierten Bewegungsspiele zu nutzen. Wer jetzt sagte „Es sind doch noch Kinder!“, der möge bedenken, dass zwischenzeitlich auch der Erzeuger des Fünfergespanns denselben Weg wie seine bewegungsgestörter Nachwuchs nahm.

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„Yuu mummu muuuve id!“ – Stimmung am Damper Erlebnisstrand

Allerdings waren heute erstaunlich wenige Hunde unterwegs. Wahrscheinlich wurden sie mittlerweile von einer überraschenden Monsterwelle ins Meer gespült. In wenigen Tagen wird die schwedische Küste sicherlich eine Hundeinvasion erleben. Was Probleme aufwerfen dürfte. Denn die Hunde verstehen nur die deutsche Sprache. Ein Dilemma.

Wohin die Massen der ausgelassenen Touristen strömten, war leider nicht zu überhören. Am Nordstrand – also der ohne Hunde – hatte ein DJ-Knäblein seine Gerätschaften aufgebaut und beschallte die Gegend mit ohrenbetäubenden Rhythmen. Drumherum eine Traube von wippenden, hüpfenden und gestylten Menschen, meist jüngeren Alters, denen die Musik gar nicht laut genug sein konnte. Patient F. blieb nur noch die Flucht ins ruhige Kurappartement. Doch vor dem Balkon tobt permanent eine Gruppe Jugendlicher, die ihren Frust über die Teilnahme am elterlichen Urlaub mit alkoholischen Flüssigkeiten ertränkt haben. Ein lustiger Abend im Touristenparadies Damp.

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3 Gedanken zu “Fischgeschichten

  1. Du irrst – die Hunde verstehen auch kein Deutsch – kein Hund eines deutschen Hundehalters versteht deutsch, zumindest nicht beim ersten Mal. Erst, wenn er unbedarfte Spaziergänger ausgiebig gemobbt hat, bequemt er sich vielleicht, die Lautäußerungen seines Herrchens/Frauchens auch nur wahrzunehmen. Also: Kein Problem mit den Hunden in Schweden 😉

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