Hin und wieder zurück

So schwer es Patient F. auch gefallen ist, am Sonntag musste die Heimreise angetreten werden. Damp hatte zum Schluss noch ein kleines Geschenk zu bieten. Die Schranke des Parkplatzes war offen und ersparte so glatte 20 Euro. Kein Vergleich zu den 200, die Patient F. in den Wochen zuvor für das Privileg opfern musste, sein Fahrzeug auf einem einigermaßen sicheren Abstellplatz zu installieren. Doch der kostenlose Parkplatz weit vor den Toren der Kuranlage soll sehr unsicher sein und oftmals werden dort die abgestellten Autos aufgebrochen oder mutwillig zerstört.

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Ein letzter Blick auf Damp.

Wie auch immer, die Heimreise dauerte wieder rund acht Stunden und war im Großen und Ganzen problemlos. Allerdings war Patient F. verblüfft, wie viele Urlauber an einem solchen Sonntag unterwegs sein können. Und wie viele Wohnwagen, Wohnmobile und ähnliche Gefährte auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Fast so viele wie Baustellen den Verkehr behindern. Zudem scheiterte über weite Strecken der Versuch, an einer Raststätte Halt zu machen. An der gesamten Nord-Süd-Strecke waren alle Plätze hoffnungslos überfüllt. Erst kurz vor Frankfurt, als die nach Süden Reisenden eine andere Abzweigung genommen hatten, gelang es, eine Tankstelle anzusteuern. Wie auch immer, Patient F. ist wohlbehalten zurückgekehrt.

Bilder, die man sonst nur im Fernsehen sieht, erlebte Patient F. auf der Fahrt. Ein brennender Reisebus ist ein ziemlich unheimlicher Anblick. Bei der Vorbeifahrt kamen schwarze Rauchwolken aus dem Motorbereich des Fahrzeugs und Flammen schossen gegen den Himmel. Die Insassen hatten sich zum Glück in sicherer Entfernung retten können. Später meldete das Radio, dass der Bus völlig ausgebrannt war. Unglücksursache unbekannt.

Die ersten Tage in der alten Heimat sind wieder vergangen und die Klimaumstellung fällt Patient F. immer noch schwer. Dennoch kam der alljährliche Geburtstag bei strahlendem Sonnenschein und brütender Hitze an den Tag. Das Geburtstagsprogramm von Patient F. war eher unspektakulär. Zunächst am frühen Morgen ein Termin beim Lieblingsfriseur, wo ausgiebig über den Kurerfolg geplaudert wurde. Am Nachmittag dann erstmals nach fünf Wochen wieder Besuch bei den Krankenschwestern in der Kreis- und Universitätsstadt H. Dort wurde Patient F. mit großem Hallo begrüßt. Besonders, da niemand an diesem Tag mit ihm gerechnet hatte. Zum Glück war noch ein Dialyseplatz frei und so ging alles nach kurzer Vorbereitungszeit seinen gewohnten Gang.

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Zukünftig ohne Patient F.: die Schlange im Fitnesscenter in Damp

Dann noch Besuch bei den Eltern. Besonders Patient F.s Mama ist überglücklich, dass der verlorene Sohn endlich wieder daheim ist. Die beiden Urlaubswochen des fleißigen Mannes sind jedoch komplett von Mamas Plänen belegt. Zumindest an den Tagen, an denen kein Besuch im Dialysezentrum notwendig ist. Schließlich zum Abschluss des Jubeltages Treffen mit Künstler Irgendlink in der Tapas-Bar in H. Dort kocht Kollege T., der die beiden Herren freudig begrüßte. Wer hätte gedacht, dass die nachfolgenden Stunden so erkenntnisreich verlaufen würden? Herr H., ein Original der Stadt, unterhielt die Gäste mit unsäglichem Gesang und Gitarrenspiel. Der nicht mehr ganz junge Mann erwies sich als überaus kreativ und fantasievoll. Besonders, wenn es um die Erlangung von Freigetränken und kostenlosen Zigaretten ging. Da Wirt T. ein durch und durch gutmütiger Mensch ist, fühlt sich Lebenskünstler H. in seinem Lokal besonders wohl Und erzählt von abenteuerlichen Plänen. Beispielsweise, dass er ein Lokal in H. übernehmen wolle, in dem er nur Guinessbier in Dosen ausschenkt. Bis es soweit ist, öffnet er seinen Verkaufsstand an jedem Donnerstag auf dem Marktplatz von H. und spielt dazu auf seiner Gitarre. Singen will er auch noch. Man sollte H. also an diesen Tagen in nächster Zeit meiden.

Patient F. lernte auch noch Universaltalent T. kennen. Der betreibt ein Kaffemobil und ist damit recht erfolgreich. Eine italienische Ape wurde hierzu mit entsprechender Bemalung versehen und mit einer professionellen Kaffeemaschine ausgestattet. Seitdem gibt es bei Freiluftfesten neben Bier und Schnaps auch hochwertige koffeinhaltige Heißgetränke. Derweil konnte man auch Skandalpolitikerin S. beobachten, die sich unter die Gäste gemischt hatte. Kurz, es reifte die Erkenntnis, dass man es als Wirt mit einem Panoptikum seltsamer Menschen zu tun hat. Ein wirklich interessanter Beruf, dass muss Patient F. eingestehen.

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